so beim musikmachen...

Dass live spielen "fährt", "geil" sei, nahezu unvergleichlich, das wüßte er, und das interessiere ihn nicht, denn dies sei conditio humana, er suche im Handwerk, im kulturellen Schaffen nach Neuem, sagte unlängst ein lieber Freund zu mir. Tja, vielleicht aber geben uns all diese Katalysatoren, wie ich solche Schlüsselreize wie den Adrenalinausstoß in Livepassagen oder das Vegetativum zwingende nonmaterielle Faktoren nennen mag , Hinweise auf den Metarausch des Lebens, den Strom, den anzuzapfen sich ja auch die indische klassische Musik verschrieben hat. Wenn sich Hinweise verdichten, so folgert die CSI Logik, dann gibts am Ende nen Mörder, wahrscheinlich ist er auch ein Buddha. Vielleicht läßt er sich aufscheuchen mittels dieser induktiven Suche nach dem deduktiven Prinzip, viel wichtiger aber ist: was passiert des Weges? Good Vibes sind für mich das Mindeste und Weltfrieden die höchste Kunst, denn dieses Kunstwerk wurde noch nie geschaffen.

another approach to bliss
violine, bassklarinette, klavier

restless mind, sträubt sich der meditation, der organisierte ameisenhaufen, der megapolitische abendverkehr, die gasteilchen die ich atme, meine ruhelosen psychotischen versionen einer „sache“... je näher man hinsieht desto ruheloser, ungreifbar und diffiziler werden die zustände.
musiker handeln als selbstverantwortliche wesen innerhalb gegebener rahmen, die notation versucht sich dem diktat der zeitlich genau definierten töne zu entziehen, denn irgendwann macht es keinen sinn mehr, alles genau zu notieren... und um genauigkeit geht es hier nicht, dann man könnte auch gleich die schaumbläschen in der badewanne messen... lieber „wahrnehmen“..-..-..- lassen sie sich das auf der zunge zergehen...-.()--. wie einen einzigartigen schneekristall, der keinen gleichen bruder hat unter millionen

mumbai

muata erdn programmtext

höchste zeit mal innezuhalten.. also was ham wir hier alles liegen: erdbeben, kindesmissbrauch, finanzkrise, psychische zerrüttung, massenhaft viele morde, krieg sowieso, überbordender kapitalismus, naturzerstörung, kurzfristige interessen, gentechnisch manipulierte wunschkinder, roboterhaustiere, hohe scheidungsraten, pensionsproblematik, politischer rechtsdruck, rasant abflachende unterhaltungsindustrie.... beliebig lange liste erstellbar.... anstatt sie vollständig zu machen begab ich mich selbst auf die suche nach einer balance und nach dem bewusstsein das diesen prozessen entgegensteuert. und da bewusstsein immer bei einem selbst beginnt sag ich einfach mal danke, für das was da ist. inspiriert durch die unterirdische shiva pooja in benares am ganges und den (psycho)akustischen effekten, die so eindrucksvoll bewiesen dass klang mehr ist als die summe der instrumentalstimmen, entstand muata erdn in enger zusammenarbeit mit dem dirigenten franz jochum. im laufe eines jahres bekam das projekt eine eigentümliche dynamik und entwickelte sich zu dem was heute erklingt. die inder glauben an eine klingende schicht, einen strom der musik, den anzuzapfen es gilt durch erhöhte aufmerksamkeit und sich so selbst zum kanal zu machen. muata erdn hat einen ähnlichen anspruch. Es gibt freie strukturen, die losgelöst klingen, sich aber koodiniert durch den raum bewegen, klänge die sich entfalten, pulse, die sich einander annähern, das gesamte gewebe wabert und flutet und strömt und wächst, blubbert, dehnt sich, schrumpft, klickst und dröhnt, schmatzt und schreit extatisch, horcht behutsam und bäumt sich auf, mächtig und selbsterhaben. die muata erdn wohnt im bauch, wie ich meinen musikern immer sage, aber nicht weil sie sich dort bei mir eingemietet hat sondern weil ich sie dort immer wieder finde. der ganze intellektuelle zugang ist nur ein teil der unzähligen facetten von selbsterkenntnis und ich will vergessen um zu versinken: im bewussten strom. und das ist durchaus was anderes als im nachmittagsfernsehn zu versinken oder im beiläufigen gebrabbel des hitradio, meine lieben leute, ich sitze hier mit meinem sohn am arm und weiss dass nichts wichtiger ist als liebe und achtung und deswegen verschon ich euch auch hier an dieser stelle mit technischen raffinessen, denn letztlich verläuft sich alles im strom der zeit. schaltet eure hirne aus und lehnt euch zurück, auf geht die reise, viel spass und nehmt euch was mit in eure alltäge. ich dank derweil der muata erdn, meiner mutter jutta, meinem vater hans, meiner gefährtin daniela, meinem sohn leander und allen anderen lieben meiner familie sowie allen wegbegleitern und schönen seelen sigrid, margreth, reinhold, adelheid, nina, stefan, michi, daniel, jaste, pawan, smriti, hannes, petra, didi, angl, ingrid, don martin, martin, reinhold, stefan, elke, sophie, roland, ananas, finkandreas, fex, wolfgang d., gerd kühr, ferdi, lena, sibylle und allen vom kreis, die mir dieses wunderbare lied vom „dank“ beibrachten

 

Freu mich sehr, dass ihr kamet um zu hören...
und freut mich auch, dass es ein wohlklang war...
und das ist ja das Spannende: Wohlklang ohne zu sehr in den ausgetretenen Spuren zu wandeln, denn was "wohl" definiert ja die Kultur einer Gesellschaft. Schön zu beobachten sind ja die ästhetischen Verschiebungen und die wachsende Toleranz von Klängen und Geräuschen: wie das Akzeptieren von im Mittelaler  "unmöglichen" Intervallen und Konstellationen in der Rennaissance (z.B. in Monteverdis seconda prattica ) wie aber auch das Salonfähigwerden von Harmonien und Intervallen durch den Jazz. Das ganze 20. Jhdt ist eine Emanzipation des Geräusches, in manchen Musikrichtungen wurde das Tonhafte ja ganz verdrängt (z.B.: hardcoretechno). das Schöne ist also nichts Absolutes sondern das Wandeln auf dem Grat des Zeitgeistes am Rücken des Kulturellen; und die Kunst ist dann vielleicht der Adler, der diesen Grat überfliegt, von oben referenzierend, andockend, begleitend, karikierend ehrend...

 

india, uttar pradesh, varanasi, vishnu resthouse, montag 31. mar08

dunst zieht auf
frequenzgemisch durchbricht den klangäther,
den allgegenwärtigen rausch aus menschenlauten und menschengeräuschen
betäubung schlägt meinen gehörgang
pochen
dopplersche verheissung
am höhepunkt bricht der sinus durch
kristallisiert sich unbarmherzig aus:
die wahrheit
singuläre frequenz
quintessenz der hupe
unbedachtes öffnen dieses göttlichen tores der transformation
im abflauen der eindeutigkeit verschwimmt die wahrnehmung
maximale auslenkung der membran
diesmal überschritten
das ohr wird feucht
durch schwarze schleier taumelnd
ein ziehender schmerz
so rein, so klar
mein hirn explodiert in farben
blut mischt sich mit gehörflüssigkeit
ein dünnes rinnsal kostbaren nektars
befeuchtet meine wange
in mir klingt subfrequenter dumpf
das schellen der welt pulsiert noch nach
.
echo
.
oder einbildung

 

 

india, rajasthan, pushkar, pushkar inns, samstag 23. feb08

was ist sinnliche musik???

einfache formen

einfache linien

klänge im sinne eines ästhetischen kataloges, den wir als „ansprechend“, „schön“, „attraktiv“ usw. empfinden.

körperliche musik:

  1. vokale/vokalähnliche musik
  2. schwingungen, die denen unseres körpers entsprechen

„beruhigende“ klänge:

  1. an ursuppe und fruchtblase erinnernde klänge

langsame, schreitende musik

schmatzende, leicht feuchte klänge, an mundbewegungen erinnernde klänge

musik mit eindeutigen sinnlichen (oft erotischen) assoziationen (durch filme oder urlaubs/jugenderinnerungen)

musik mit eindeutigem textbezug ( hat aber mit musik wenig zu tun)

musik mit schwebungen

musik, in welcher intensiv bezug genommen wird auf klangliche verläufe und ereignisse (ästhetisierung von knacksen oder rauschen)